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16. Februar 2011

Le mur des Je t'aime


Kinder sind ja angeblich die Krönung der Liebe. Merkwürdigerweise vergisst man das aber irgendwie zwischen Windelwechseln, schlaflosen Nächten, Trotzanfällen und Hausaufgabenhilfe. Bei einem Paris-Besuch sollte es Ihnen aber unbedingt wieder einfallen. Vielleicht hilft ja die 'Mur des Je t'aime'.

Direkt hinter der Metrostation Abbesses, etwas versteckt in einem winzigen Park, hat der Künstler Frederic Baron die Liebesmauer errichtet. Auf rund 40 Quadratmetern kann man in 300 verschiedenen Sprachen und Dialekten "Ich liebe Dich" lesen.

An diesem Ort muss doch am Valentinstag die Post abgehen, denke ich, und mache mich mit Kind und Kamera auf die Socken.

Doch als wir in Abbesses ankommen, steht dort nur ein einsamer junger Mann, der scheinbar sehr kurzsichtig ist. Möglicherweise hat er noch gar nicht gesehen, dass er seine Freundin in der Metro vergessen hat.

Auf die Verliebten ist offensichtlich auch kein Verlass mehr. Gut, der 14. Februar 2011 ist grau und kalt - aber das sollte doch niemanden abhalten, den die Liebesglut wärmt.



Während ich noch grüble, warum die Liebenden heutzutage solche Weicheier sind, hat das Kind bereits den winzigen Spielplatz erobert, der sich ebenfalls in dem kleinen Park befindet. Es gibt zwar nur zwei Spielgeräte, die allerdings findet er geradezu 'extraordinaire'! Das liegt wohl daran, dass er sie ganz allein bezwingen kann, obwohl er sonst sogar beim Laufen noch eher wackelig unterwegs ist.

Und auf einmal kann ich mir auch vorstellen, dass es hier richtig schön sein kann. Wenn in wenigen Wochen die Bäume wieder grün sind, man mit einem Kaffee und einem Croissant auf der Bank sitzt und deutsche Teenager dabei beobachtet, wie sie sich kichernd 'Ich liebe Dich' auf Swahili vorlesen.

Adresse: Square Jehan Rictus, Montmartre

Metro: Linie 12 (Station Abbesses)

Öffnungszeiten: Ja, die Parks in Paris haben tatsächlich Öffnungszeiten! Sehr vereinfacht kann man sagen, dass die meisten Parks zwischen 8:00 und 9:00 Uhr öffnen und im Winter entweder um 17:45, um 19:00 Uhr oder um 19:30 schließen - je nachdem, welcher Monat gerade ist und ob Winter- oder Sommerzeit herrscht. Im Sommer schließen Sie - wieder je nach Monat - entweder um 20:30 oder um 21:30 Uhr. Sie finden das kompliziert? Sie sind in Paris, das ist noch gar nichts...


3. Februar 2011

Aquarium Cinéaqua




Mehr als 500 verschiedene Arten von Fischen und Meerestieren, präsentiert in 43 riesigen Becken: Das große Aquarium Cinéaqua am Trocadéro zeigt dem Besucher die Unterwasserwelt in Rekordgröße. Schon mit einem halben Jahr sind Babys von den riesigen Fenstern zum Meer fasziniert. Im Gebäude ist es beinahe dunkel, die Aquarien sind von innen beleuchtet, so dass die Farben der Korallen und Fische unwirklich leuchten. Nase an Nase mit metergroßen Haien wird nicht nur mein Sohn sehr still...

Woanders ist es umso lauter: Im "Streichelzoo" kraulen wir riesige Goldfische an der Rückenflosse und unser begeistertes Gekreische (auch meins!) ist schon von Weitem zu hören. Durch einen gigantischen Tunnel geht es dann mitten durchs Meer zum Ausgang. Dort kann man sich im Café oder im Restaurant von dem über 3 Kilometer langen Rundgang erholen - und von der Tatsache, wieviel dieser Spaß gekostet hat.

Denn die Preise sind happig, eine Familie mit zwei Kindern über drei Jahren muss mit 70 Euro Eintritt rechnen! Und auch die gut gemeinten aber viel zu lauten Animationen für Kinder nerven etwas. Daher der Tipp: Lieber nicht am Wochenende oder am schulfreien Mittwoch, denn dann ist es oft überfüllt und laut. Unter der Woche dagegen sehr zu empfehlen!


Adresse: In den Gärten des Trocadéro

Metro: Linie 6 (Stationen Trocadéro, Iena), Linie 9 (Station Trocadéro)

Öffnungszeiten: täglich 10:00 - 19:00 Uhr, Kassen schließen um 18:00 Uhr

Eintritt: Erwachsene 19,50 Euro, Kinder bis 3 Jahren frei, darüber 12,50 - 15,50 Euro


1. Februar 2011

La Musée de la Vie Romantique




Die kleine Straße am Eingang zum Musée de La Vie Romantique führt in eine verwunschene Welt inmitten der Großstadt. Wer, bereits gewöhnt an den schnellen Schritt der Pariser, die schnurgerade Rue Chaptal im 9. Arrondissement hinuntereilt, kann die schmale Gasse leicht übersehen. Nur die Kastanie, deren dunkles Grün im Sommer bis auf die Straße hinaus-wächst, und ein kleines goldenes Schild weisen den Weg. Am Ende der kopfstein-gepflasterten Gasse passiert der Besucher die kleine Billeterie.

Dahinter öffnet sich der Vorhof des romantischen Wohnhauses, in dem über 30 Jahre der niederländische Künstler Ary Scheffer lebte. Neben seinen Werken und persönlichen Gegenständen finden sich dort auch Erinnerungsstücke an seine Freunde, den Komponisten Franz Liszt und die Schriftstellerin George Sand. Hinter einem mächtigen Baum beinah verborgen, schmiegt sich ein kleines Glashaus mit eisernen Trägern an die Seite des Hauses. Das ehemalige Atelier des Künstlers beherbergt heute ein Café, Schmuckstück aus einer verlorenen Zeit. Der Duft warmer Madeleines liegt in der Luft, mischt sich mit dem Geruch der blühenden Rosen, die den kleinen Kiesplatz mit den grünen Bistrostühlen einrahmen. Der Lärm der Stadt rauscht in weiter Ferne, Zitronenfalter tanzen über dem Lavendel, ein Mädchen liest Proust...

Das Musée de La Vie Romatique ist ein Tipp für Familien mit ganz kleinen Babys oder mit Kindern ab etwa 5 Jahren. Herumtobende Kleinkinder sind hier eher fehl am Platze, krabbelnde Babys werden versuchen, die Kieselsteine zu essen und die anderen Besucher sind über lautes Geschrei an diesem Ort eher unerfreut. Wer jedoch einen ruhigen Platz zum Stillen seines Säuglings sucht, ist hier genau richtig.

Besonders empfehlenswert sind die Führungen für Kinder - sofern Sie etwas Französisch beherrschen und übersetzen können. Für die 7-8jährigen verwandelt sich die Erzählerin in George Sand und berichtet aus ihrem Leben, für die Kleinen gibt's Grimms Märchen. Die Vorstellung ist ausgesprochen lebendig und mitreissend, was vor allem an der Schauspielerin liegt, die ihr junges Publikum allein schon durch ihre Stimme fesselt.


Adresse: Hôtel Scheffer-Renan
16, rue Chaptal
75009 Paris

Metro: Linie 12 (Station Pigalle)

Öffnungszeiten: täglich 10:00-18:00 Uhr, montags Ruhetag

Eintritt: Dauerausstellung und Zugang zum Gartencafé gratis!
Sonderausstellungen: bis 14 Jahre frei, Erwachsene 7,00 Euro

Kinderführungen: mittwochs 14:00 Uhr. Preis: 3,50 Euro





La Halle Saint Pierre







Ein guter Platz, um bei schlechtem Wetter eine Pause in Montmartre einzulegen. Das kleine Museum am Fuss der Sacre Coeur hat sich auf Naive Kunst spezialisiert. Dies freut auch den Kleinen, denn die oft farbenfrohen Bilder findet er sogar mit 18 Monaten schon interessant. Und es regt offenbar die Phantasie an: Ein paar Stifte in der Tasche, eine Serviette aus dem netten Café im Erdgeschoss und schon kann es losgehen. Das Café ist auch sonst eine besondere Erwähnung wert, denn gibt es viel Platz zum rumlaufen oder krabbeln und selbst der Buggy steht niemandem im Weg. Sogar herzumflitzende Kinder stören hier nicht. Das ist mehr als ungewöhnlich in dieser Stadt. Unkompliziert ist auch der Service: Kaffee und den hervorragenden Kuchen holt man sich selbst an der Theke ab. Besonders empfehlenswert sind die besonderen Teesorten (Sie werden schon sehen). In der kleinen Museum-Buchhandlung gibt es Kunstliteratur, Postkarten und ungewöhnliche Kinderbücher. Achtung: Das Museum und das Café schließen ihre Kassen bereits um 17:30 Uhr!

Adresse: 2, Rue Ronsard
75018 Paris

Metro: Linie 2 (Stationen Barbès-Rochechouard, Anvers), Linie 4 (Stationen Barbès-Rochechouard, Chêateau Rouge), Linie 12 (Station Abbesses)

Öffnungszeiten: täglich 10:00 - 18:00 Uhr

nur im August: 12:00 - 18:00 Uhr, am Wochenende geschlossen

Eintritt: Zugang zum Café gratis
Ausstellung: 7,50 Euro